International gesuchter Verbrecher und V-Mann

 

KRIMINELL Das ARD-Radiofeature im Juni handelt von dem gesuchten Hochstapler Jean Claude Lacote

Er ist einer der trickreichsten Verbrecher der jüngeren Zeit und zählt zu den zehn meistgesuchten Gaunern weltweit. Jean Claude Lacotes Leben klingt nach einer Hollywood-Produktion. Seit über zwei Jahrzehnten führt der Hochstapler die Ermittler und seine Opfer international an der Nase herum. Eher ungenauen Schätzungen nach ist er heute etwa fünfzig Jahre alt. Das ARD-Radiofeature im Juni „Der mörderische Informant. Ein V-Mann außer Kontrolle“ berichtet über das Leben Lacotes, seine Verbindung nach Deutschland und seine Komplizin Hilde van Acker.

Autor Kai Laufen beginnt seine Geschichte mit den Aussagen zweier belgischer Ermittler, die 1996 den Mord an einem britischen Unternehmer in Belgien aufklären sollen. Bei ihren Ermittlungen stoßen die Polizisten auf eine Verbindung zwischen Lacote und dem Ermordeten und kommen so an Lacotes Akte, die von Scotland Yard als „Top Secret“ eingestuft wurde. In London hatte man den von der Elfenbeinküste stammenden Mann bereits als Trickbetrüger entlarvt. Aber er wurde laufen gelassen. Er hatte sich einige Jahre zuvor mit einem deutschen Zollbeamten aus Karlsruhe angefreundet, der seine Entlassung bewirkte. In den weiteren Ermittlungen kam bald die Vermutung auf, dass Jean Claude Lacote als V-Mann in Deutschland eingesetzt wurde.

Mit falscher Identität verspricht er schnelle Gewinne durch kurzfristige Geldanlagen

Denn bereits mit 18 soll er nach Karlsruhe gekommen sein. Aufgrund von Drogendelikten musste er da für acht Monate ins Gefängnis. Zu dieser Zeit fing der Mann, der von einem Amtspsychologen als überdurchschnittlich intelligent beschrieben wird, an, seine Karriere als Betrüger zu festigen. Denn hier soll er sich erstmals als V-Mann für Verbindungen zum Drogenmilieu angeboten haben.

Der aus ärmlichen Verhältnissen stammende Mann führt in den folgenden Jahren ein Leben im Luxus – finanziert durch Verbrechen. Sein erster Coup gelang ihm 1989, er brachte einen französischen Geschäftsmann um 2 Millionen Francs. Lacote spinnt sich ein Netzwerk aus Komplizen, welches über die Landesgrenzen hinausreicht. Selbst in den USA und in Südafrika schafft er es, so Einzelpersonen um einige Millionen zu betrügen. Lacotes Masche ist immer dieselbe: Mit falscher Identität verspricht er schnelle Gewinne durch kurzfristige Geldanlagen. Durch seine einnehmende und überzeugende Art schafft er es seine Opfer dazu zu bringen, hohe Summen auf Treuhandkonten zu überweisen, von wo aus er mithilfe von Komplizen oder gefälschten Papieren, das Geld entwendet.

Nach Jahrzehnten auf der Flucht landet Jean Claude Lacote schließlich 2008 in einem südafrikanischen Gefängnis. Seine Kontakte zur südafrikanischen Polizei sind jedoch bereits so gut, dass ihm zwei verkleidete Polizisten bei der Flucht helfen. Die Beweise fehlen, aber es wird vermutet, dass eine Fluchthelferin seine langjährige Komplizin Hilde van Acker gewesen ist. Seither fehlt jegliche Spur der beiden Verbrecher.

Autor Kai Laufen lässt in seinem Bericht Opfer und Ermittler zu Wort kommen, die in den vergangenen 25 Jahren mit dem Verbrecher zu tun hatten. Dabei werden viele Einzelheiten erwähnt, die es dem Zuhörer erschweren, der Geschichte zu folgen. Der Titel klingt, als würde sich das Radiofeature mit der Kontrolle von V-Männern befassen, aber dieser Aspekt wird erst am Schluss der fast einstündigen Sendung aufgegriffen. In welcher Weise der Verbrecher tatsächlich für den Verfassungsschutz von Bedeutung war, wird nicht klar. Eher als eine kritische Auseinandersetzung mit dem Thema V-Männer ist das Feature eine gelungene Geschichte über das Leben eines gerissenen Verbrechers. Zu finden unter: www.radiofeature.ard.de.

Quelle: http://www.taz.de/Archiv-Suche/!334379&s=Deana%252BMrkaja&SuchRahmen=Print/

By | 2018-04-23T18:58:41+00:00 April 23rd, 2018|Online-Artikel, taz|0 Comments